Anja Baumheier: Kranichland

Die Groen-Schwestern wachsen im Ost-Berlin der sechziger Jahre heran. Unterschiedlicher könnten die beiden Mädchen nicht sein: Charlotte, die ältere, brennt ebenso für den Sozialismus wie ihr Vater Johannes, der am Ministerium für Staatssicherheit Karriere macht. Die künstlerisch begabte Marlene hingegen eckt überall an und verliebt sich Hals über Kopf in Wieland, einen Pfarrerssohn, der die DDR kritisch hinterfragt. Mit jedem Tag wächst die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Als das junge Paar beschließt, in den Westen zu fliehen, trifft Marlenes Vater eine Entscheidung – mit fatalen Folgen, die noch Jahrzehnte später spürbar sind …
„Kranichland“ erzählt anhand des bewegenden Schicksals der Familie Groen fast achtzig Jahre deutsche Zeitgeschichte: von Bombennächten und Vertreibung, Wiederaufbau und Gründung der DDR, über das geteilte Deutschland und die Wende bis heute.

Zum Glück hatte ich beim Lesen für diese packende Familiengeschichte ein paar Stunden am Stück Zeit, ansonsten hätte eine Nacht dafür herhalten müssen. Mich hat diese Geschichte gepackt, ich habe mitgelitten, mitgefiebert, gestaunt, gelacht über „Kranichland“ und freue mich über dieses außerordentlich gelungene Buch!

Heike Faller: Hundert

Hundert. Was du im Leben lernen wirst.“ ist ein Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, ein Buch zum Vorblättern und Zurückblättern, zum Fantasieren und miteinander ins Gespräch kommen. Es geht um alles, was man im Leben lernt: Der erste Purzelbaum, die erste Liebe, das erste Mal Kaffee trinken und die Erkenntnis, wie riesengroß die Welt ist. Später begreift man, dass man sich immer noch nicht erwachsen fühlt, auch wenn die mittleren Jahre längst erreicht sind. Und im hohen Alter lernt man nicht nur, wie kostbar die Zeit ist, sondern auch, Dinge zu verlernen. Und die Angst vor dem Tod zu verlieren. Das ist der natürliche Prozess des Lebens. Heike Faller serviert uns keine Lebensweisheiten, sie hat mit jungen und alten Menschen gesprochen und deren Erfahrungen in kurze Sätze gefasst, die sich zusammenhängend lesen wie ein schönes, anrührendes Gedicht über das Leben.

Ein Lieblingsbuch, das zu fast allen Anlässen (mit Ausnahme von Hochzeiten) wunderbar verschenkt werden kann. Ob zur Geburt, zum 100. Geburtstag, zur Taufe, zur Konfirmation, zum neuen Enkelkind – ich präsentiere einen Familienschatz!

Karen Cleveland: Wahrheit gegen Wahrheit

Vivian Miller ist Spionageabwehr-Analystin bei der CIA. Mit ihrem Mann Matt, einem IT-Spezialisten, und ihren Kindern lebt sie in einem Vorort von Washington, D.C. Auf diesen Tag hat sie seit zwei Jahren hingearbeitet: Mithilfe eines speziellen Algorithmus will Vivian ein Netzwerk russischer Spione in den USA enttarnen. Ihr gelingt der Zugriff auf den Computer eines russischen Agentenbetreuers. Auf eine Datei mit fünf Fotos – allesamt „Schläfer“, die auf amerikanischem Boden operieren. Doch was sie entdeckt, bringt alles, was ihr wichtig ist, in Gefahr – ihre Familie, ihre Ehe, ihren Job. Ist es den Russen gelungen, sie an ihrer einzigen Schwachstelle zu treffen? Ist Matt nicht nur ein perfekter Mann und ein perfekter Vater. Sondern am Ende auch ein perfekter Lügner?

Meine Güte, ist dieses Buch spannend! Und, was mir sehr entgegenkommt, erfreulich wenig brutal, sondern einfach nur wahnsinnig spannend. Ich habe solche Tage ja leider so selten, aber ich kann nur empfehlen,  „Wahrheit gegen Wahrheit“ anzufangen, wenn es unproblematisch ist, am nächsten Morgen hundemüde zu sein. Oder, wie (angeblich?) Lee Child auf dem Buchrücken urteilt: „Vorsicht: Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, kann man nicht mehr aufhören. Dann vergisst man das Abendessen, liest weiter bis spät in die Nacht und ist am nächsten Morgen müde bei der Arbeit. So ein Buch ist das. Einfach großartig.“.  Recht hat er!

Anne Reinecke: Leinsee

Karl, Protagonist in dem Buch „Leinsee“ von Anne Reinecke, ist noch nicht einmal 30 und hat sich schon als Künstler in Berlin einen Namen gemacht. Er ist der Sohn von August und Ada Stiegenhauer, >dem< Glamourpaar der deutschen Kunstszene. Doch in der symbiotischen Beziehung seiner Eltern war kein Platz für ein Kind. Nun ist der Vater tot, die Mutter schwer erkrankt. Karls Kosmos beginnt zu schwanken und steht plötzlich still. Die einzige Konstante ist ausgerechnet das kleine Mädchen Tanja, das ihn mit kindlicher Unbekümmertheit zurück ins Leben lockt. Und es beginnt ein Roman, wild wie ein Gewitter, zart wie ein Hauch.

Lesenswerte Lebens-, Liebes-, Adoleszenz- und Familiengeschichte, bemerkenswerter, weil angenehmer und gleichzeitig etwas schnodderiger Schreibstil, der mir so noch nicht untergekommen ist. Und: Ein Ende, bei dem ich seit langer Zeit mal wieder eine Gänsehaut beim Lesen bekommen habe. Kriegt man aber erst, wenn man den Rest des Buches verschlungen hat – versteht man nämlich sonst nicht 🙂

Geschenktipp zum 24.12.: Zeit verschenken

Zeit verschenken – Zeit in der Hofbuchhandlung. Nach Terminabsprache darf man sich bei unserem Programm „einschließen und genießen“ mit lieben Menschen ganz allein in die Hofbuchhandlung einschließen lassen. Und ein Gutschein lässt sich ja noch auf den letzten Drücker selber basteln…

Theoretisch…

…finde ich meine Idee eines Adventskalenders nach wie vor super, praktisch ist es gar nicht so einfach, an jedem Tag Zeit zu finden, diesen zu füttern. In diesem Sinne mein Geschenktipp am 22.12.: Wortbügel von good old friends – „Der Abwasch kann warten, das Leben nicht“… Gibt´s nicht zur Bestellung in unserem Onlineshop, aber zur Abholung in unserem Offlineshop…